Die Initiative Sudan / Südsudan unterstützt seit 1998 Jugendliche, Schulen und Gemeinden im südlichen Sudan

Initiative Sudan / Südsudan Der Sudan Hintergründe der aktuellen Situation 1/2

Hintergründe der aktuellen Situation
im südlichen Sudan, Teil 1/2

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Wenn der Sudan überhaupt das Interesse der westlichen Öffentlichkeit weckt, dann zumeist, weil sich der Blick auf die humanitäre Katastrophe in den Provinzen um Darfur im Westsudan richtet.

Darfur ist nicht nur eine Ortsbezeichnung, sondern steht längst für die humanitäre Katastrophe und die Ohnmacht der Helfer im westlichen Sudan an sich. Wer mit gefährlichem und fatalistischem Leichtsinn von Afrika als "sterbenden Kontinent" spricht, der mag in Darfur seine scheinbare Bestätigung finden. Und Darfur ist als Brennpunkt des Medieninteresses am Sudan vielfach auch zum Synonym für den Sudan schlechthin geworden.

Nein – Darfur ist nicht der Sudan, sondern nur eine Facette eines afrikanischen Staates, dessen geschundene Bevölkerung in allen Regionen mit fast unüberwindbaren Problemen konfrontiert ist. Die Projekte der Initiative Sudan helfen Menschen im Süden des Landes, der seine eigene Geschichte von Krieg und Leid zu erzählen hat, aber auch von der begründeten Hoffnung, dass es eben doch eine bessere Zukunft geben könnte.

Vom Bürgerkriegsschauplatz zur autonomen Region

Krieg herrscht nicht mehr im südlichen Sudan, seitdem im Jahre 2005 nach 21 Jahren Bürgerkrieg endlich ein Friedensvertrag zwischen der Regierung in Khartoum unter Präsident Baschir und der den Süden vertretenden Sudan People’s Liberation Movement (SPLM) geschlossen wurde. Es sollte ein Interessenausgleich erzielt werden, der dem muslimisch geprägten Norden ebenso entgegenkommt wie dem mehrheitlich christlichen Süden.

Formal ist der südliche Sudan nun eine autonome Region innerhalb eines sudanesischen Gesamtstaates. Die islamische Scharia hat keine Rechtsgeltung mehr im Süden, beide Landesteile unterhalten eigene Finanz- und Justizverwaltungen sowie eigene Armeen, die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sollen Nord und Süd gleichermaßen zufließen.

Khartoum ist seitdem der Sitz der Regierung der nationalen Einheit, bestehend aus der Nationalen Kongresspartei (NCP), der Präsident Baschir angehört, und der Delegierten der SPLM, die den Vizepräsidenten stellt. 2011 soll die Bevölkerung des Südens schließlich in einem Referendum über die mögliche staatliche Unabhängigkeit des Südsudans entscheiden. Die UN unterstützen mit einer ständigen Mission diesen Friedensprozess, internationale Beobachter verfolgen das Geschehen mit vorsichtigem Optimismus.

Unterentwicklung trotz Ölreichtums

Aber eine optimistische Perspektive ist kein Garant für das Gelingen des Projektes eines friedlichen Südsudans, der Friedenprozess ist längst kein Selbstläufer, der sich selbst überlassen werden kann – zu mannigfaltig sind die Schwierigkeiten, die sich der Bevölkerung des Südens und ihrer politischen Vertreter, der SPLM, stellen.

Ungefähr zwei Millionen Menschen haben in den Wirren des Bürgerkrieges den Tod gefunden, weitere vier Millionen wurden vertrieben: Viele dieser Vertriebenen wagen nun zaghaft eine Rückkehr, müssen angesiedelt und versorgt werden, um ihnen eine erste Lebensgrundlage zu verschaffen. Obwohl ein fruchtbares Land, ist die Landwirtschaft des Südens noch immer in desolatem Zustand, geteerte Straßen als Basis einer funktionierenden Infrastruktur für Handel, Transport und Versorgung der Bevölkerung gibt es kaum.

Das Welternährungsprogramm der UN leistet nach wie vor mit Lebensmitteln, die von Flugzeugen abgeworfen werden, einen unverzichtbaren Beitrag für das Überleben der Menschen in zahlreichen Regionen des Südens. Sogar in Juba, der Hauptstadt des Südsudan, gibt es keinen Strom oder fließendes Wasser. Rivalisierende Stammesgruppen sorgen immer wieder für Auseinandersetzungen und erzwingen kostspielige Militäreinsätze. Und auch die Lage im Westen des Sudan, das Menetekel Darfur, übt großen Einfluss auf die Entwicklung im Süden aus.

Es ist zum einen das schwierige Verhältnis zum Norden, dass die Entwicklung im Süden hemmt. Nur das Außenministerium wird von einem SPLM-Angehörigen gehalten, alle weiteren Kabinettsposten wie auch das Erdölministerium liegen in den Händen der NCP. Das so wichtige Ölgeschäft wird für die SPLM wenig transparent abgewickelt, und so ist es kaum verwunderlich, dass nur ein geringer Anteil der Einnahmen in den Süden fließt. So wächst die Unzufriedenheit unter der südsudanesischen Bevölkerung und die Zahl der Befürworter einer möglichen Unabhängigkeit nach 2011 nimmt zu.

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