Die Initiative Sudan / Südsudan unterstützt seit 1998 Jugendliche, Schulen und Gemeinden im südlichen Sudan

Initiative Sudan / Südsudan Der Sudan Hintergründe der aktuellen Situation 1/2

Hintergründe der aktuellen Situation
im südlichen Sudan, Teil 2/2

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Politische Unabhängigkeit ist nicht das vorrangige Ziel der SPLM. Sie denkt an einen Staat, in dem Nord und Süd gleichberechtigt miteinander existieren. Die Wahlen im Jahr 2009 sollten den Süden hierbei einen großen Schritt weiterbringen. Dazu hat die SPLM ihren Sitz von Juba nach Khartoum verlegt, um von dort aus gezielter für die Sache des Südens und die Idee eines friedlichen Gesamtsudan zu werben: Die nächsten Wahlen sollen die Verteilung zentraler politischer Ämter gerechter gestalten.

Aber schon die Vorbereitungen für die Wahlen gestalteten sich schwierig. So hatte die Zentralregierung noch immer nicht die im Friedensabkommen festgelegte Volkszählung im Süden vorgenommen, welche die Anzahl der Wahlberechtigten hätte ermitteln können. Und so war eine korrekte Einteilung von Nord und Süd in Wahlbezirke unmöglich, weil es noch immer keine verbindliche Grenze von Nord und Süd gab.

Hausgemachte Probleme des Südens

Doch einige Probleme des Südens sind auch von seinen politischen Repräsentanten "hausgemacht", ein Erbe der militanten Vergangenheit der SPLM. Die Organisation muss ihre alten Kämpfer versorgen, nicht zuletzt um neue Unruhen zu vermeiden. Das bedeutet auch, dass sich die SPLM um die Gleichbehandlung der Stammeszugehörigkeiten ihrer ehemaligen Mitstreiter bemühen muss, um Spannungen unter den Stämmen vorzubeugen – der Tribalismus ist eines der tiefgreifendsten Probleme afrikanischer Gesellschaften schlechthin.

Das Ergebnis der "Versorgungspolitik" der SPLM ist zum einen, dass die Armee künstlich groß gehalten wird, um die alten Kämpfer mit Lohn und Brot zufrieden zu stellen. 40 Prozent des Haushaltes des Südens werden somit für den Unterhalt der Armee aufgewendet, während ein Lehrer oft wochenlang auf sein Gehalt warten muss und Straßenbau und Landwirtschaft vernachlässigt werden. Zum anderen werden verdiente Weggefährten nur zu oft mit Posten in der Administration versehen, Amtswillkür und Korruption sind die Folge.

Die SPLM für diese Politik zu verurteilen erscheint angesichts der Realitäten vor Ort zu kurz gegriffen. Hinzu kommt, dass die ehemaligen Rebellen schlicht keine "gelernten" Politiker oder auf internationalem Parkett erfahrene Wirtschafts- und Finanzfachleute sind. Die Verantwortlichen der SPLM sind oftmals einfach mit den Vorschriften von UN und Weltbank überfordert, erkennen ihre Möglichkeiten nicht und rufen längst nicht die Mittel ab, auf die der Südsudan einen Anspruch hätte.

Der Westen schaut nach Darfur

Und da ist Darfur und die katastrophale Situation im Westsudan, die das Interesse der Weltöffentlichkeit wie auch die Hilfen der internationalen Gemeinschaft fordert. Hilfsorganisationen sind da, wo es brennt – und im Westsudan schlagen die Flammen ohne jede Frage in den Himmel. So konzentrieren sich die ausländischen Hilfen im Sudan zunehmend auf den Westen des Landes, viele Organisationen verlagern ihre Aktivitäten aus dem "friedlicheren" Süden nach Darfur, wo die Helfer unter Lebensgefahr ihre Arbeit tun.

4,5 Milliarden Dollar haben dem Sudan bislang im Ganzen aus den Töpfen der UN und der Weltbank zur Verfügung gestanden. Davon sind zwei Milliarden Dollar zu Bekämpfung des schlimmsten Elends in Darfur eingesetzt worden. Dem Südsudan, dessen Friedensprozess selbst noch fragil und zahlreichen Belastungen ausgesetzt ist, standen nur 500 Millionen Dollar zur Verfügung.

Warum diese Zeilen? Um die vorsichtigen Hoffnungen im Süden des Sudan gegen das Leid im Westen aufzurechnen? Das wäre blanker Zynismus und darum kann es nicht gehen! Nein, die Hilfen, die den gequälten Menschen in Darfur und den westlichen Provinzen zuteil werden, sind humanitär notwendig und unverzichtbar. Doch wir dürfen darüber nicht vergessen, wie wichtig auch die Unterstützung der Menschen in den anderen Teilen des Sudan ist.

Dem Süden Hoffnung geben

Die Projekte der Initiative Sudan / Südsudan bieten jungen Menschen eine Chance zur Bildung – und Bildung ist nicht nur Hilfe zur Selbsthilfe, sondern auch einer der Grundpfeiler einer jeden Zivilgesellschaft. Schulen und Ausbildungsstätten im Südsudan helfen konkret den Menschen, die dort lernen, und geben ihnen Hoffnung und eine Zukunftsperspektive. Mehr noch – sie geben auch dem ganzen Süden auf seinem beschwerlichen und noch langen Weg ein Beispiel für das, was mit gutem Willen, Arbeit Hand in Hand und viel Fleiß nicht nur für wenige, vielmehr für ein ganzes Land zu erreichen sein mag.

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