Die Initiative Sudan / Südsudan unterstützt seit 1998 Jugendliche, Schulen und Gemeinden im südlichen Sudan

Initiative Sudan / Südsudan Sudantag 2012 Bericht

4. Sudantag in der Abtei Himmerod

Alle zwei Jahre lädt die Initiative Sudan ein zum Sudantag in die Abtei Himmerod in der Eifel. Das Treffen am 13. Oktober 2012 stand diesmal im Zeichen der aktuellen Situation in der noch jungen Republik Sudsudan fast ein Jahr nach der Staatswerdung sowie der Lage der Stämme in den Nubabergen.

Der Jubel anlässlich der Feiern zur formellen Gründung eines souveränen Staates Südsudan ist längst verflogen. Einer kurzen Euphorie folgte bald tiefe Ernüchterung. Zwar wurden die Streitigkeiten zwischen Nord und Süd über die Erlöse aus den Ölquellen von Abyei zunächst beigelegt, so dass beide Staaten aus dem Rohstoffverkauf wieder Einnahmen verzeichnen können. Doch die Regierung des Südens bekommt die miserable Versorgungslage der Menschen nicht in den Griff. Hinzu kommt nun die Verantwortung für die Rückkehrer aus dem Norden und dem Westen, die einst vor den Wirren des Bürgerkrieges geflohen waren.

Die Nubaberge im Staatsgebiet des Nordens waren vom Referendum 2011 ausgenommen, die dort lebenden Stämme konnten nicht über eine Zugehörigkeit zum Süden entscheiden, dem sie sich traditionell verbunden fühlen. Nun betreibt die Regierung des Nordens mit Luftbombardements einen erbarmungslosen Vernichtungskrieg gegen die Stämme, und schürt zusätzlich Rivalitäten zwischen einzelnen Stämmen, um den Widerstand in den Nubabergen zu schwächen..

Aktuelle Informationen aus dem Südsudan ...

Waren diese Nachrichten aus dem Südsudan und den Nubabergen auch besorgniserregend, so erhielten die Besucherinnen und Besucher des Sudantages doch auch positive und hoffnungsvolle Einblicke. Unsere Mitarbeiterin Gabriele Haldenwang, die im Februar den Süden bereist hatte, berichtete von einem Land, dessen Menschen allen Schwierigkeiten zum Trotz einen Aufbruch wagen.

Gabriele Haldenwang hatte Bischof Macram Max Gassis begleitet, der einige von uns unterstützte Schulen besuchte und konnte sich vor Ort von den Fortschritten überzeugen. Davon kündeten auch die vielen Briefe von Kindern und Jugendlichen an die Initiative Sudan, die Gabriele Haldenwang aus dem Sudan mitgebracht hatte. Es sind Worte junger Menschen, die nach Bildung hungern und denen sich nach bitteren Jahren ganz langsam eine Tür zu einer besseren Zukunft öffnet ...

Die heilige Messe war der Auftakt der Sudantages. Bischof Macram Max Gassis, der auch in diesem Jahr unser Gast war, dankte in seiner Predigt allen Freunden und Förderern der Initiative Sudan für ihre Unterstützung. Und er wies eindringlich auf die dramatische Situation in den Nubabergen hin - die Menschen dort brauchen unsere Hilfe und unsere Stimmen gegen das Verdrängen und Vergessen eines schleichenden Völkermordes im Sudan. Kinder der Katholischen Grundschule Bonifatius in Düsseldorf, die der Initiative Sudan seit langem verbunden ist, überreichten dem Bischof und Pater Stephan als Spende einen Scheck über 10.185 Euro, die der diesjährige Sponsorenlauf ihrer Schule erbracht hatte.

Mit den inneren Problemen der Republik Südsudan beschäftigte sich der Vortrag von Alfred Buss, dem Leiter der Koordinationsgruppe Sudan von Amnesty International Deutschland. Auch im Namen der südsudanesischen Regierung werden Andersdenkende verfolgt und geschehen Menschenrechtsverletzungen. Polizei und Streitkräfte neigen zu Willkür gegenüber Zivilpersonen. Die notwendige Entwaffnung der Bevölkerung durch das Militär führt oft zu Konflikten, die nicht selten in Gewalttaten, sexuellen Übergriffen und Tötungen enden, die von keinem Gericht geahndet werden.

Staatliche Souveränität und ein einfaches Plebiszit sind nicht gleichbedeutend mit einer Zivilgesellschaft in einem demokratischen Verfassungsstaat!

Ein vielfältiges Kulturprogramm ...

Auch diesmal bot der Sudantag den Gästen ein kulturell anspruchsvolles Programm. Der Schauspieler Wolfgang Neuhausen berichtete vom Fortgang seines Projektes Clownschools for Life e.V. Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika hatte er mit einem Team vor Ort junge Südafrikaner zu Clowns ausgebildet. Diese gaben ihre Erfahrungen weiter - an junge Menschen in ihrer Heimat wie auch an deutsche Kids bei einem Besuch in Düsseldorf. Clowns - das sind in diesem Fall Menschen, die nicht "auf der Straße abhängen", sondern sich selbst positiv erfahren: "Mutmachen und mitmachen". Eine Idee, die wir vielleicht auch einmal im Sudan umsetzen können. Dann schlüpfte Wolfgang Neuhausen in die Rolle des Pantomimen Nemo - und dieser wiederum ließ uns in verschiedenen Menschentypen heiter und besinnlich das Allzumenschliche wiedererkennen. Am Ende gab's rote Clownnasen für alle kleinen und großen Gäste der Show.

"Engelwärts in den Sudan" führte uns das Konzert von Roswitha Aulenkamp (Klavier) und Theodor Hoffmeyer (Bariton). Der tschechische Komponist Antonin Dvorak hatte aus biblische Psalmen einen Liederzyklus in tschechischer Sprache geschaffen. Eine versuchsweise Translation ins Deutsche hatte dem Werk seine ursprüngliche Kraft genommen, so beließen die beiden Künstler die Liedtexte in der Muttersprache Dvoraks. Der geneigte Zuhörer folgte der Dramaturgie mit der deutschen Übersetzung auf einem Textblatt. Und dann ging es im übertragenen Sinn musikalisch in den Sudan. Pater Stephan spricht in seinen Gedichten oft von dem einen Mond, der über Deutschland und dem Sudan gleichermaßen, doch in jeweils unverwechselbar anderem Licht scheint. Dieses Empfinden inspirierte Frau Aulernkamp zu einer eigenwilligen, bewegenden und fesselnden Darbietung von Claude Debussy's Clair de Lune, in der die Pianistin das klassische Werk in verschiedenen Musikstilen interpretierte.

Mit Trommelklängen aus Afrika luden auch die "Eifeltrommler" der Djembeats ihr Publikum auf eine Reise auf den anderen Kontinent mit seinen eigenständigen musikalischen Traditionen ein. Und die Zuhörer ließen sich mit den insistierenden Klängen der afrikanischen Trommeln nur zu gern auf diesen Trip entführen. Jede Trommel hat einen besonderen Klang und ist auf bestimmte Weise einzusetzen. Und während das Publikum einfach nur genießen darf, ist ein Trommelkonzert für die Interpreten wahrer "Hochleistungssport". Bischof Macram Max Gassis war angetan von den deutschen Musikern mit dem Faible für afrikanische Instrumente und scharte die Damen und den Herrn für ein Erinnerungsfot um sich. Übrigens - Djembeats bedeutet Trommelschläge oder -klänge, denn Djemba ist die Bezeichnung für eine Trommel in einer afrikanischen Sprache.

Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Zu Mittag ließen sich die Besucher afrikanische Spezialitäten schmecken, für deren authentische Zubereitung Bischof Macram Max Gassis persönlich verantwortlich zeichnete, am Nachmittag verwöhnten leckere Kuchen den Gaumen. Und wer wollte, der konnte Tuchwaren, Schmuck, Holzarbeiten und mehr aus afrikanischer Herstellung erwerben.

Mit einer Andacht unter der Leitung von Pater Stephan klang der vierte Sudantag aus. Doch viele Gäste verbrachten die Nacht zum Sonntag im Gästehaus der Abtei Himmerod, so dass der Abend des Samstags noch Gelegenheit zu vielen Gesprächen auch mit Bischof Macram Max Gassis bot. Wir freuen uns, auch in zwei Jahren wieder interessierte Besucher zum nächsten Sudantag begrüßen zu dürfen ...