Dr. Bona Malwal: Wann gibt es Frieden im Südsudan?

Vortrag anlässlich des Sudantages 2016 im Kloster Himmerod

Dr. Bona Malwal, 1959 geboren, ist ein sudanesischer Journalist, Politologe und Autor zahlreicher politisch-historischer Schriften mit dem Fokus Sudan.

Als Berater der sudanesischen Regierung begleitete und gestaltete er den Prozess vom Waffenstillstand nach dem Bürgerkrieg bis zur Staatsgründung der Republik Südsudan im Jahre 2011 mit.

Der ehemalige Diplomat Bona Mawal ist academic visitor am St Antony’s College der University of Oxford.


Die Gastgeber dieser Veranstaltung haben mich eingeladen, einen Vortrag zu halten. Ihre Frage an mich ist: „Wann darf die Welt Frieden im Südsudan erwarten?“ Es wäre vermessen, davon auszugehen, dass ich auf diese Frage eine klare Antwort haben kann. Alles, was ich hier einbringen kann, sind meine Hoffnungen für einen künftigen Frieden im Südsudan.

Der Südsudan ist die jüngste Nation der Welt, ein Land, das sich über einen so langen Zeitraum in einem Zustand der Wirren und Unruhen befindet, nicht erst jetzt als eine Nation. Natürlich ist der Südsudan ein junges Land – die jüngste Nation der Welt. So können seine Probleme nicht als eine Folge jener Turbulenzen betrachtet werden, die bereits weltweit bestehen.

Vor diesem Hintergrund ist es mehr als begrüßenswert, dass Humanisten über die ganze Welt, so wie Sie hier, zusammenkommen und ihrer Sorge über die anhaltende Tragödie der Menschen im Südsudan, ganz besonders der Zivilbevölkerung, Ausdruck verleihen.

Als Südsudanese verstehe ich, warum Sie hier auf dieser Konferenz so besorgt sind angesichts der Notlage der Menschen im Südsudan. Ich weiß, und ich kann sehen, dass Sie sich fragen, warum Führungspersönlichkeiten im Südsudan, jene, die den Südsudan heute regieren, scheinbar nicht so angesichts der Misere ihrer eigenen Landsleute fühlen, wie es die meisten von Ihnen, die sich hier versammelt haben, tun.

Lassen Sie mich damit beginnen, Ihnen einige Hintergrundinformationen darüber zu geben, wie sich die südsudanesische Zivilgesellschaft zusammensetzt. Dabei geht es um die ethnische Komposition der Gesellschaft und ihre kulturellen Unterschiede. Insgesamt besteht der Südsudan aus mindestens 64 ethnischen Gemeinschaften.

Meine eigene Zählung bewegt sich darüber hinaus. Beispielsweise ist es nicht korrekt, die Bevölkerungsgruppen der Fertit in West Bahr al-Ghazal als eine Gemeinschaft zu definieren. Es sind verschiedene Gruppen, welche die Fertit von West Bhar al-Ghazal ausmachen.

Als Europäer sind Ihnen diese ethnischen Gemeinschaften Afrikas eher als „Stämme“ geläufig. Tribalismus ist ein abwertender, europäischer Begriff, der wesentlich durch den europäischen Kolonialismus in weiten Teilen Afrikas eingeführt wurde, aber auch eine Terminologie, die sich in anderen Worten durch die Beschreibung nativer Populationen als „Dritte Welt“ wiederfindet.

Der abwertend verwendete Begriff des Stammes ist etwas, womit europäische Kolonisten die meisten Völker jener Dritten Welt beschreiben. Der Begriff „Stamm“ wurde von den Europäern verwendet, um sich mit ihren eigenen europäischen Volksgruppen als Nationen von jenen sogenannten Stämmen der sogenannten Entwicklungsländer abzugrenzen.

Um nur ein Beispiel hierfür zu geben: Die beiden kleinen Stämme Belgiens (Anmerkung der Übersetzerin: Flamen und Wallonen) aus diesem winzigen Land in Mitteleuropa, die selbst zu keiner Zeit als Nation in Europa vereint waren, zogen als die eine Nation Belgien hinaus nach Afrika, um eines der reichsten und mächtigsten Länder Afrikas, „Stämme“, zu kolonisieren – „Belgisch-Kongo“.

Im Südsudan, im Sudan als Ganzes, hatte der Kolonialismus sich nicht wirklich festsetzen können über diese merkwürdigen 60 Jahre, in denen Großbritannien über den Sudan herrschte. Hierfür gibt es viele Gründe: Zunächst war Großbritannien der Hauptkolonialist jenes Landes, das in dieser Zeitphase als anglo-ägyptischer Sudan bekannt ist. Ägyptens Interesse galt hierbei stets dem Nil, der für Ägypten eine Hauptlebensader darstellt. Es ist eine wohl bekannte Tatsache des Lebens, dass Ägypten ohne den Nil nicht existieren würde.

Großbritanniens eigenes Interesse in der gesamten afro-arabischen Region galt der Golfregion. So kam Großbritannien hauptsächlich als ein Vertreter Ägyptens in den Sudan, mit einem hohen Interesse, die Quellen des Nilwassers für Ägypten zu sichern.

Anmerkung der Übersetzerin – Quelle: Wikipedia: „Tribalismus (Stammestum, englisch tribalism) bezeichnet eine Sichtweise der (gesamten) Gesellschaft als eine Menge kleinerer Gemeinschaften, der Stämme. Die traditionelle Definition beinhaltet, dass sich Stämme durch eine ethnisch homogene Bevölkerung, eine einheitliche Kultur, ein gemeinsam bewohntes Land, aber vor allem durch klare Abgrenzung ihrer Identität gegenüber anderen Stämmen definieren. Aus diesen Gründen werden Stämme bei der Bildung von Nationalstaaten vielfach als hinderlich erachtet. Die Begriffe Tribalismus und Stamm sind durch die Kolonialzeit als Charakterisierung „primitiver“ Gesellschaften vorbelastet und werden heutzutage in der Ethnologie nicht mehr verwendet. (…).“

Bekanntermaßen hat der Nil zwei Arme, den Weißen Nil, der in Zentralafrika entspringt und über mehr als 1.600 Kilometer durch den Südsudan fließt, bevor er den Nordsudan erreicht, und den Blauen Nil, dessen Ursprung in Äthiopien liegt, bevor dieser sich in Khartum, der Hauptstadt des Sudans, mit dem Weißen Nil vereint. Übrigens kommt das Wort „Khartum“ aus der Sprache der Dinka. Es bezeichnet die Vereinigung zweier Flüsse, allerdings wird es in der Sprache der Dinka ohne „h“ geschrieben.

Großbritannien stieß in Teilen des Sudans, hauptsächlich im Südsudan, auf seine kolonialen Wettbewerber. Sowohl die Belgier als auch die Franzosen hatten zu dem Zeitpunkt, als Großbritannien den Sudan besetzte, bereits weite Teile Zentralafrikas unter ihre Herrschaft gebracht. Die Franzosen waren gleichermaßen an den Quellen des Nils interessiert und versuchten, tief bis nach Fashoda in den Südsudan hinein einzudringen, in das Land des ethnischen Königreiches der Shilluk.

Die Geschichte berichtet sehr ausführlich über die Konfrontation der Europäer in Teilen des Südsudans. In den europäischen Geschichtsbüchern finden sich diese Ereignisse unter dem Kapitel der „Fashoda-Krise“ wieder.

Die Briten schlugen die Franzosen erfolgreich zurück nach Zentralafrika und verweigerten ihnen die Kontrolle über alle Abschnitte des Nils. So blieb der Nil unter der kolonialen Kontrolle der Briten, in eigener Sache und für die ägyptische Krone. Aus diesem Grund kennt man den kolonisierten Sudan dieser historischen Phase als anglo-ägyptischen Sudan.

Die Briten befriedeten den Nordsudan sehr schnell, scheiterten aber über lange Zeit daran, die widerspenstigen nilothischen „Stämme“ des Südsudans – die Dinka und die Nuer – zu beschwichtigen. Hierzu bedurfte es einer sehr starken Hand.

Sogar bis zu der Zeit, als die britische Kolonialmacht, die über den Sudan herrschte, bereits auf den Druck der politischen Elite des Nordsudans zu reagieren begann, die für eine politische Mitbestimmung in den Angelegenheiten ihres eigenen Landes kämpfte, rangen die Briten immer noch mit einer unsicheren Lage in den nilothischen Gebieten des Südsudans. Während sie der nordsudanesischen Elite nachgaben und ihr politisches Terrain einräumten, kam es im Südsudan für britische Kolonialbeamte immer wieder zu unsicheren Situationen.

Im Juni 1947 wurde auf der Konferenz von Juba die Entscheidung der britischen Kolonialmacht über den Sudan angekündigt, dass der Südsudan dem Nordsudan angeschlossen und als ein Land mit dem Nordsudan von Khartum aus verwaltet werden solle. Zuvor hatten die Briten den Südsudan als einen vom Norden abgeschlossenen Bezirk verwaltet. All dies trug sich zu, als die Briten zu Hause in England die Sklaverei abgeschafft hatten.

Nordsudanesische Sklavenhändler fuhren mit ihren Raubzügen nach Sklaven im Südsudan fort. So hatten die Briten die Bewegungsfreiheit der Nordsudanesen in den Süden einzuschränken, so dass keine südsudanesischen Sklaven mehr über die damals wilde und unwirtliche Grenze zwischen den beiden Landesteilen geschmuggelt werden konnten.

1947, vor der Konferenz von Juba, welche die Annexion des Südsudans durch den Nordsudan markierte, um ein Land zu bilden, hatten die Briten in Erwägung gezogen, den Südsudan einem ihrer ostafrikanischen Gebiete anzuschließen, Kenia oder Uganda.

Aber ein solch koloniales Ansinnen der Briten wurde durch zwei wichtige Gründe erschwert: Zum einen wussten die Briten, dass eine solche Vorgehensweise für Ägypten, ihren Kondominiumspartner hinsichtlich des Sudan, unakzeptabel sein würde.

Zum anderen hatten die Briten durchaus einen gewissen Respekt vor der Unbeherrschbarkeit der nilothischen „Stämme“ des Südsudans, insbesondere was die Dinka und die Nuer anbelangte. Sie fürchteten, dass diese widerspenstigen nilothischen Stämme Ostafrika destabilisieren könnten, wo Großbritannien seine eigenen Optionen europäischer Ansiedlungen sah.

Einer der Hauptgründe, die Option einer Annexion des Südsudans durch Ostafrika zu erwägen, insbesondere durch Uganda, war der Tatsache geschuldet, dass einige der Bantustämme der südsudanesischen Provinz Equatoria sowohl im Südsudan als auch in Uganda angesiedelt sind. Im Südsudan und Uganda leben unter anderen auch die Stämme der Acholi, Madi, Kuku, Kakwa, Nubis und Lango.

Am Ende hielten die Briten es für das Beste und sehr viel einfacher, diese widerspenstigen „Stämme“ des Südsudans dem arabischen Nordsudan anzuschließen, obwohl die afrikanischen „Stämme“ des Südsudans nicht die geringste Affinität mit den arabischen Stämmen des Nordsudans aufwiesen.

Der Kolonialismus entschied, wovon er annahm, es sei das Richtige für die „Eingeborenen“. Auch die arabischen Baggara-Stämme im Nordsudan waren sehr widerspenstig. So schien es nichts auszumachen, andere aufsässige Stämme aus dem Südsudan der gleichen Verwaltung unterzuordnen.

Inzwischen hatten die Briten ein starkes ökonomisches Interesse an Ägypten und der Golfregion, insbesondere der Arabischen Halbinsel, entwickelt. In Whitehall, London, befand man, dass die Annexion des stimmlosen Südsudans durch den Nordsudan, einem arabischen Gebiet, keine politischen Konsequenzen haben würde und vielleicht das starke britische Interesse an der arabischen Welt befördern könnte.

Die Briten und die Franzosen hatten den Suezkanal etabliert, eine wichtige Abkürzung für den Verlauf der internationalen Wasserhandelsroute. 1956 räumten die Briten dem Sudan seine Unabhängigkeit ein, unter der totalen Kontrolle der nordsudanesischen politischen Elite – einer arabischen Elite.

Zu dieser Zeit waren die Unabhängigkeitsbestrebungen des Nordsudans nicht mehr zu bremsen. Als Kondominiumsparter der Briten hinsichtlich des Sudan drohte Ägypten, sich einseitig aus dem Verbund mit Großbritannien zurückzuziehen. Die nordsudanesische politische Elite hatte Ägypten glauben lassen, dass der Nordsudan nach der eigenen Unabhängigkeit mit Ägypten eine Einheit, zu einem Land werden wolle.

Nur vier Monate bevor der gesamte Sudan, Süden und Norden, als unabhängig erklärt wurden, machte die südsudanesische politische Elite ihre politische Sorge darüber öffentlich.

Am 16. August 1955 begann der Südsudan aufzubegehren. Ein Kontingent südsudanesischer Armeeoffiziere und Männer der Sudan Defence Force (Anmerkung der Übersetzerin: sudanesische Verteidigungsstreitmacht SDF) meuterten in Torit im Südsudan. Dies war der Beginn des Ersten Bürgerkriegs zwischen Nord- und Südsudan.

Die britische Kolonialbehörde des Sudans entschied, die bereits laufenden Verfahren zur Unabhängigkeit nicht zu beenden. Dieser Erste Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südsudan währte 17 Jahre, bis er durch ein Friedensabkommen zwischen den beiden Landesteilen beendet wurde.

Das Friedensabkommen wurde im März 1972 von beiden Landesteilen des Sudans in Addis Abeba in Äthopien unterzeichnet. Dieser Friede dauerte zehn Jahre. 1983 brach der Norden schließlich jene Vereinbarung, die für das ganze Land zehn Jahre Frieden bedeutet hatte.

Hätte der Nordsudan das Friedensabkommen von 1972 mit dem Süden im Mai 1983 nicht aufgekündigt, nicht den laufenden Prozess unterbrochen, nicht die regionale Autonomie des Südens aufgehoben, den die politische Elite im Süden damals zu wertschätzen begann, wären die derzeitigen Verwerfungen, die Südsudan und Nordsudan nun heimsuchen, niemals aufgekommen und das Land hätte als eines vereint weiter bestehen können.

Aber es kam anders. Im Mai 1983 hob der Präsident des Nordsudans, General Jaafar Mohamed Nimeiri, derselbe Präsident, der 1972 das Friedensabkommen mit dem Süden unterzeichnet hatte, die gemeinsame Vereinbarung auf. Der Grund hierfür war, für sich und den Norden Kontrolle über das Öl des Südens zu erlangen. Die amerikanische Ölgesellschaft Chevron hatte gerade Öl im Südsudan entdeckt.

Präsident Nimerei befand, dass das Friedensabkommen von Addis Abeba aus dem Jahr 1972 weder ein Koran noch eine Bibel sei. Umgehend kehrte der Süden zurück in den Krieg mit dem Norden. Dieser Krieg dauerte 21 Jahre und konnte nur durch eine internationale Intervention beigelegt werden, die dem Süden sein Recht auf Selbststimmung gegenüber dem Nordsudan garantierte.

Als das Referendum zur Selbstbestimmung 2011 im Südsudan durchgeführt wurde, entschied sich das Land überwältigend für seine Unabhängigkeit. Mehr als 98 % wählten für die Trennung vom Norden.

Unglücklicherweise erweisen sich in diesen Tagen die politischen Führungspersönlichkeiten des Südsudans selbst als jene, die den Frieden gefährden. Es sind jene Menschen, die 21 Jahre lang dafür kämpften, ihr Land und ihre Leute von dem zu befreien, was über mehr 50 Jahre als schlimmster Kolonialismus, der sich je irgendwo auf der Welt ereignet hat, bezeichnet werden darf – der Kolonialismus der Nordsudanesen.

Der Südsudan ist weitgehend eine aus Stämmen zusammengesetzte Gesellschaft, die keine gemeinsame kulturelle und politische Affinität ihrer selbst entwickelt hat. Das Ergebnis ist das Folgende:

Entstammt der höchste Amtsträger der Regierung des Südsudans einem von mehr als 64 Stämmen, so werden die ambitionierten politischen Führungspersönlichkeiten der anderen ethnischen Gruppen, die selbst Anspruch auf die Stelle erheben möchten, die gerade von einem Zugehörigen dieses einen Stammes eingenommen worden ist, dies nicht als gerecht empfinden. Sie sind weder im Einklang mit dem Amtsträger, noch mit seinem Stamm.

Aus diesem Grund ist nun hauptsächlich das Stammesdenken zur politischen Malaise im Südsudan geworden. Um diese Krankheit zu heilen, muss die Weltöffentlichkeit akzeptieren, dass es gilt, im Südsudan zunächst einmal eine politische Kultur zu entwickeln, die an erster Stelle darauf abzielt, den Gebrauch von Waffen in der Politik des Landes abzustellen.

Das bedeutet, dass die Weltöffentlichkeit den Südsudan in erster Linie damit unterstützen kann, Ausschau nach politischen Führungspersönlichkeiten zu halten, die nicht an den Gebrauch von Gewalt als Mittel zur Lösung politischer Probleme und Differenzen glauben. Ich muss gestehen, dass eben dieses zu erreichen, eine sehr große Herausforderung sein wird im Südsudan.

Die gegenwärtigen Führungspersönlichkeiten des Landes sind alle Militärs aus dem letzten Befreiungskrieg. Sie haben Waffen und deren Gebrauch eine deutlich übersteigerte Rolle eingeräumt. Auch glauben sie an sich selbst, nicht aber an ihre Gemeinschaft oder irgendjemand sonst. Dabei geht es nicht um eine besondere Eignung, die einer von ihnen haben könnte, sondern lediglich um die Waffe in ihrer Hand.

Der letzte Bürgerkrieg zwischen Südsudan und Nordsudan endete damit, dass lediglich die Macht zwischen jenen geteilt wurde, die den Krieg ausgefochten hatten, bis zum vollkommenen Ausschluss anderer, die auf ihre eigene unterschiedliche Weise Teil des gleichen Krieges waren. Es lässt sich auch anders herum sagen: Selbst wenn diese anderen nicht aktiv Teil dieses blutigen Krieges waren, braucht das Land nun so dringend all diese anderen, um damit voran zu kommen, sich selbst und sein Volk zu entwickeln.

Das Friedensabkommen aus dem Jahr 2005 nach einem 21 Jahre währenden Bürgerkrieg kam nicht deshalb zustande, weil es einen Sieger und einen Besiegten gegeben hätte. Es war nur möglich durch die Rolle, welche die internationale Gemeinschaft dabei einnahm, nicht nur im Friedensprozess selbst, sondern eigentlich vor allem durch die Unterstützung der Zivilbevölkerung im Südsudan während des Bürgerkriegs selbst.

Der Fehler der internationalen Gemeinschaft zum Ende des Bürgerkriegs im Sudan bestand darin anzunehmen, dass die politische Macht im Südsudan, ausgehend vom Szenario des Krieges, nur an jene übergehen könne, die diesen Krieg mit Waffen ausgefochten hatten. Das Ergebnis dieser internationalen Fehleinschätzung sind zehn Jahre Regierung im Südsudan, in denen nur jene, die im Besitz von Waffen sind, annehmen, dass sie die wirklichen Herren des Südsudans sind.

Ein Beispiel vom Ende des ersten 17-jährigen Krieges im Südsudan, der von 1955 bis 1972 andauerte und auch mit einem Friedensabkommen endete, könnte nun handlungsanleitend werden für die Führungspersönlichkeiten des gegenwärtigen Südsudans und für die Weltöffentlichkeit.

Im Friedensabkommen von 1972 wurde die Macht geteilt zwischen jenen, welche die Waffen getragen und den Krieg ausgefochten hatten und jenen, die auf andere Weise zur Sache beigetragen hatten. Die Macht wurde untereinander geteilt und das Resultat war, dass alle einen Anreiz hatten, den Friedensprozess im Süden am Laufen zu halten. Jene, die den Krieg ausgefochten hatten, wollten sich damit belohnen, Ämter in der Regierung einzunehmen.

Jene, die sich innerhalb ihrer eigenen bürgerlichen Populationen im Land befanden, wollten ihre Positionen in der Regierung dazu nutzen, um Dienstleistungen zu erweitern und Entwicklung für die einfachen Menschen auf den Weg zu bringen. Im Rückblick ist nun klar, dass das Friedensabkommen von 1972 damals diese zehn Jahre überdauern konnte, weil alle Beteiligten ein gemeinsames Interesse daran hatten.

Hätte Präsident Jaafar Mohamed Nimerei seiner Machtbesessenheit nicht nachgegeben und damals dem Südsudan eingeräumt, weiterhin seine Autonomie unter seiner Präsidentschaft zu leben, wäre das Land 1983 nicht in den Kriegszustand zurückgefallen. Sehr wahrscheinlich hätte der Südsudan sich nicht vom Norden getrennt, wie es 2011 notwendig wurde angesichts des langen politischen Fehlverhaltens des Nordens.

Wir stehen allerdings nun da, wo wir sind. Inzwischen ist der Südsudan ein unabhängiges Land, nun im Krieg mit sich selbst. Die internationale Gemeinschaft benötigt keinen Friedensvorschlag, wie er kürzlich im August 2015 von Äthopien aufgezwungen wurde. Dieser hat nun dazu geführt, zwei einander feindlich gesinnte Parteien vor der Folie der Bürgerkriegsereignisse um den Dezember 2013 wieder als Partner im Frieden von Juba zusammenzuführen.

Erneut führt die Weltöffentlichkeit Fehler aus dem Friedenskommen von 2005 fort. Es sind wieder allein die Waffen, die in all diesen Friedensvereinbarungen zählen, denn die beiden Partner des Friedensabkommens von 2015 sind keine Partner im Zeichen des Friedens. Sie befinden sich im Krieg miteinander.

Wen verwundert es, dass Riek Machar Teny, der gegenwärtige erste Vizepräsident von Präsident Salva Kiir Mayardit, darauf bestehen musste, dass eine bestimmte Anzahl an Männern aus seiner eigenen Armee vor ihm in Juba anreiste, bevor er selbst nach Juba kam, um mit der Umsetzung des auferlegten Friedensabkommens zwischen ihm und Präsident Salva Kiir zu beginnen.

Mit diesem letzten Friedensabkommen für den Südsudan hat die Welt sichergestellt, dass es niemanden im Südsudan geben wird, der legitimiert arbeiten kann. Persönlich wäre ich nicht überrascht, morgen zu hören, dass die Armeen der beiden Herren, des Präsidenten und seines ersten Vizepräsidenten, sich wieder beschießen in Juba.

Der Friede, den der Südsudan braucht, ist ein Friede, der in absehbarer Zukunft bürgerliche und nicht militärische Elemente einführt in die Regelung der Staatsangelegenheiten. Ich kann nicht verstehen, dass die Weltöffentlichkeit nicht sehen kann, wie wichtig die Inspiration des südsudanesischen Volkes hin zu einer Zivilherrschaft ist, sondern eher einen Militarismus in einem Land ermuntert, das so schlimm ruiniert worden ist durch militaristische Strukturen.

Ein Motto stellt das Militär immer wieder gerne allem voran: „Ehre kann man nicht teilen. Ehre kann nur einer Person zu Teil werden, und zwar der mächtigsten Persönlichkeit“. Wie kann man eine mächtige Persönlichkeit in Juba haben, die den Südsudan regiert, während das aktuelle Friedensabkommen zwei gleichwertige Armeen sanktioniert hat, jeweils eine in der Hand zweier mächtiger Militärs, die einander nicht akzeptieren. Wie können diese beiden südsudanesischen Führungspersönlichkeiten, nun gemeinsam zurück in der Regierung, diese politische Macht teilen?

Die Weltöffentlichkeit mag davon ausgehen, dies sei der beste Weg, um beide Parteien zu
neutralisieren. Die Erfahrung im Südsudan zeigt, dass es durch die Verfahrensweise, wie
dieser jüngste Frieden ausgearbeitet und aufgezwungen wurde, in Juba eher zu einer weiteren Auseinandersetzung mit Waffen kommen wird. Eine gleichwertige Bewaffnung beider Parteien kann nicht friedenserhaltend für die Menschen im Südsudan sein.

Was Sie, sehr verehrte Gastgeber und Teilnehmende an dieser Veranstaltung, anbelangt, so bin ich davon überzeugt, dass Ihre Sorge stets der Zivilbevölkerung im Südsudan galt und gilt. Während unseres Treffens werden die Menschen im Südsudan, abgesehen von ihrer Sorge um einen sich nicht einstellenden Frieden, gegenwärtig von einer sehr schweren Nahrungsmittelknappheit heimgesucht – tatsächlich von einer Hungersnot.

Ich weiß, dass humanitäre Organisationen in Deutschland sehr wahrscheinlich bereits aktiv sind unter diesem Aspekt im Südsudan und versuchen, das Beste zu geben, um zu helfen. Das südsudanesische Volk braucht Ihre Hilfe in der aktuellen Situation auch sehr dringend.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass Sie, wenn Sie nicht bereits geholfen haben oder bereits Pläne für Hilfsmaßnahmen haben, dazu beitragen werden, jedes einzelne Menschenleben im Südsudan zu retten, das gerettet werden kann. Ich weiß, dass ich nicht an Ihre Hilfsbereitschaft für die Menschen im Südsudan appellieren muss, sondern dass Sie wissen, was getan werden muss, um zu helfen.

Der Weg zur schlussendlichen Unabhängigkeit des Südsudans ist nicht sorgfältig begonnen worden. Unglücklicherweise ist der Südsudan nun auf sich selbst zurückgeworfen worden. So viele unschuldige Leben sind verloren worden auf dem Weg zwischen Dezember 2013 und unserem Zusammenkommen hier anlässlich dieser Konferenz. Deshalb ist Ihre Sorge um die Tragödie der einfachen südsudanesischen Bürger so sehr willkommen angesichts eines sich nicht einstellenden Friedens in diesem Land.

Ein Friedensabkommen jener Art, wie es nun dem Südsudan mit dubiosen Methoden aufgezwungen worden ist, ist zu keiner Zeit auf der Welt in einem vergleichbaren Friedensprozess zur Anwendung gekommen. Liest man das Friedensabkommen für den Südsudan vom August 2015 sehr sorgfältig, kommt man zu der Schlussfolgerung, dass es hier um einen erneuten Regierungswechsel im Südsudan geht – allerdings ohne das Prozedere einer ordentlichen Wahl mit einer Wählerschaft im Südsudan.

Am 15. Dezember 2013 dachte jemand in Juba, der Hauptstadt des Südsudans, dass man die militärische Macht habe, um die Geschäfte einer Regierung zu übernehmen, die weniger als drei Jahre zuvor gewählt worden ist. Die nächste Wahlrunde stand nur etwas weniger als zwei Jahre entfernt.

Eine vernünftige, ambitionierte Führungspersönlichkeit, die bereits über die vergangenen acht Jahre ein Teil dieser neuen Macht im Südsudan gewesen war, hätte auf diese nächste Wahlrunde warten können, um sich in einem Wettbewerb mit der bestehenden Macht zu messen. Und falls gewählt, hätte er friedlich die Macht übernehmen und seinem Land die Zerreißprobe ersparen können, der es aktuell unterliegt.

Angesichts der Art und Weise, wie man im Südsudan eigentlich traditionell mit Problemen umgeht, hätten die Ereignisse im Dezember 2013, schon bei einem Versuch, Macht mit Gewalt zu übernehmen, sofort verurteilt werden müssen. Dies geschah nicht. Tatsächlich legte das Verhalten der Weltöffentlichkeit nahe, dass eine gewisse Enttäuschung darüber bestand, dass der Staatsstreich nicht gelungen war.

Da ein solch versuchter Staatsstreich im Südsudan dergestalt nicht angemessen niedergeschlagen worden ist, entwickelte sich die Situation in eine Art Bürgerkrieg. Die Lösung hätte allein durch einen Friedensprozess stattfinden können. Dieser jedoch hätte im Vorfeld einer Verurteilung des fehlgeschlagenen Staatsstreiches bedurft.

Was nun unglücklicherweise geschah, ist, dass ein Friedensprozess stattgefunden hat, der offensichtlich eine Revolte positiv beantwortet hat – das ist nun, wie man sehen kann, der Fall im Südsudan. In einem solchen Szenario kann kein nachhaltiger Friede erreicht werden.

Aber selbst wenn die beiden Parteien des gegenwärtigen Friedensabkommens, das gerade im Südsudan umgesetzt wird, erfolgreich miteinander kooperieren würden bei der Umsetzung dieses Friedensabkommens – jene, die im Dezember 2013 versucht haben, Macht mit Gewalt zu übernehmen und deren Versuche nun mit Macht belohnt wurden – sind sie nicht die einzigen bewaffneten, ambitionierten Führungspersönlichkeiten im Südsudan.

Der Irrtum des gegenwärtigen Friedensabkommens ist, dass es eine Revolte mit Macht belohnt hat. Das wird nicht funktionieren. Es kann nicht funktionieren. Andere werden dieselbe Methode wieder ausprobieren.

Es gibt viele bewaffnete, ambitionierte Andere, die um jeden Preis nach Macht streben. Ich wage zu behaupten, dass das Friedensabkommen vom August 2015, das nun in Juba umgesetzt wird, nicht der letzte Versuch sein wird, Macht durch Waffengewalt im Südsudan zu übernehmen.

Ich fürchte, dass die Antwort auf Ihre Frage, wann die Welt mit einem Frieden im Südsudan rechnen darf, weiterhin warten muss. Wir befinden uns nun in einem klassischen Teufelskreis, den wir auch anderswo auf der Welt beobachten können, wo eine externe Intervention das interne Szenario verkompliziert.

Der jetzige Friedensprozess, der gegenwärtig im Südsudan umgesetzt wird, fußt auf einem ernsthaften Irrtum, nämlich den Konflikt als eine Auseinandersetzung zwischen zwei ethnischen Gemeinschaften zu definieren – den Dinka und den Nuer. Diese Einschätzung erfolgte auf der Basis, dass der jetzige Präsident des Südsudans ein Dinka ist und die Persönlichkeit, die den Präsidenten mit Gewalt herausgefordert und versucht hat, ihn mit Waffengewalt zu entmachten, ein Nuer ist.

Allein, diese beiden Führungspersönlichkeiten sind nicht die einzigen Führungspersönlichkeiten im Südsudan. Auch sind ihre beiden ethnischen Gemeinschaften nicht die einzigen bewaffneten Gruppen im Südsudan. Es gibt viele andere wie sie.

Angesichts von mehr als 64 ethnischen Gemeinschaften im Südsudan ist es unwahrscheinlich, dass nicht andere südsudanesische Stammesgruppen zumindest über eine kleine Gruppe bewaffneter, kämpfender Männer verfügen. Eine kleine Gruppe zu sein, ist hierbei kein Hindernis dafür, dass man nicht aufsteht.

Jede Revolte, ungeachtet wie klein sie ist oder wie klein die Anzahl ihrer Initiatoren sein mag, kann den Frieden und die Ruhe eines ganzen Landes durcheinander bringen. Es wird viele Gruppen im Südsudan geben, die wahrgenommen haben, dass man jenen, die rebellieren, Macht verleiht, und sie werden diesem Modell folgen wollen. Das ist genau das Muster, das im Südsudan derzeit umgesetzt wird.

So ist der Gedanke hinter dem gegenwärtigen Friedensabkommen, das gerade im Südsudan umgesetzt wird, ein Muster, das nicht wirklich Frieden etabliert, sondern einfach Rebellion belohnt. Die Art und Weise, wie die Architekten des gegenwärtigen Friedens in Juba vorgegangen sind, wird sehr wahrscheinlich keinen nachhaltigen Frieden für den Südsudan bringen.

Einer der schlimmsten Fehler im Rahmen des gegenwärtigen Friedensabkommens ist nicht allein, dass dieser ethnische Rivalitäten begünstigt. Der gravierendste Fehler ist, dass der Friedensprozess die nationale Souveränität der jungen Republik Südsudan unterläuft.

Mir ist kein Fall auf der ganzen Welt bekannt, in dem man von einem gewählten Präsidenten eines Landes verlangt, seine souveräne Staatsmacht an ein ausländisches Gremium abzugeben. Diese Befugnisse wurden dem Präsidenten durch die Wählerschaft und die Verfassung des Südsudans verliehen. Wie kann die Weltöffentlichkeit die südsudanesische Wählerschaft im Namen des Friedens ignorieren?

Nun gibt es eine ausländische Macht in Juba, die der südsudanesischen Wählerschaft vorsteht. Der gewählte Präsident des Südsudans ist gezwungen worden, seine souveränen Staatsrechte an diese nicht gewählten ausländischen Gremien zu übergeben.

Nun, da der Präsident das sogenannte Friedensabkommen unterzeichnet hat, befindet sich der gewählte Präsident der Republik Südsudan in der Situation, dass jene nicht gewählten ausländischen Gremien ihm abverlangen, einige seiner präsidialen Entscheidungen zurückzunehmen. Was für eine Demütigung.

Durch Außenstehende gefährdet, mit einem unausgesprochenen Wechsel seiner Regierung, ist der gewählte Präsident des Südsudans nicht mehr souverän. Wo auf der Welt geschieht so etwas? Und kann die öffentliche Meinung der Weltgemeinschaft einen solch neuen Weg akzeptieren, auf dem man einem gewählten Staatsoberhaupt konstitutionelle Rechte entzieht?

Die neuen, nicht gewählten ausländischen Herren des Südsudans möchten mit der Situation im Südsudan so umgehen, dass sie dem südsudanesischen Volk die politische Macht abnehmen. Das ist nicht neu. Wir sehen das gegenwärtig auf der ganzen Welt. Die zentrale Frage ist: Hat eine solche Verfahrensweise in der Welt, auf die wir blicken, irgendwo Frieden gebracht? In keiner Weise.

Wie können diese nicht gewählten, ausländischen Herren dann glauben, dass dies Frieden im Südsudan bringen wird? Wir werden diese Frage auf dieser Konferenz nicht beantworten können.

Die These, die ich Ihnen hier präsentiert habe, will meinen, dass es nicht allein die politisch Verantwortlichen im Südsudan sind, welche die Situation für die Menschen im Südsudan so schwierig gemacht haben. Hier mischen zu viele ausländische Köche mit. Sprichwörtlich gesagt: „Zu viele Köche verderben den Brei für das Volk im Südsudan“.

Da die jüngste Situation im Südsudan sich zwischen Krieg und Frieden bewegt, erscheint es vielleicht angemessen, einen Blick darauf zu werfen, wie sich die politische Macht im Südsudan entwickelt hat, seit das Land am 9. Juli 2011 unabhängig wurde.

Geht man von einer angemessenen Beachtung der Befreiungspersönlichkeiten in Kategorien der Macht in der Weltöffentlichkeit aus, so haben jene, die den Südsudan befreit haben zwischen August 1983 und Juli 2005, nämlich die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA), genug Anerkennung über einen ausreichenden Zeitrahmen erhalten.

Es erscheint mir, als sei der Weg zu einem Frieden im Südsudan und seiner Zukunft, nun, da die internationale Gemeinschaft – jene Mächte, die in dieser Welt beschließen, die Situation im Südsudan zu klären, ohne den Menschen im Südsudan dabei eine Rolle einzuräumen – an einem Punkt, an dem diese Mächte der internationalen Gemeinschaft auf ihre eigenen vorangegangenen Entscheidungen schauen sollten, die den Südsudan dahin gebracht haben, wo er heute steht.

Was nun als erstes für alle Mitglieder der internationalen Gemeinschaft notwendig erscheint – all jene Beteiligten, die das umfassende Friedensabkommen CPA (Comprehensive Peace Agreement) 2005 möglich gemacht haben zwischen Khartum und Juba – ist, einige ihrer Schritte erneut zu reflektieren. Das bedeutet nicht, dass alle Schritte, welche die internationale Gemeinschaft auf den Weg gebracht hat, um das CPA zu ermöglichen, falsch waren.

Viele dieser Schritte sind positiv, und ungeachtet dessen, was die Menschen im Südsudan danach ereilt hat, als eine Folge falscher Schritte des CPA, sind die Menschen im Südsudan der internationalen Gemeinschaft dankbar dafür, dass sie dabei geholfen hat, sich eines barbarischen Systems in Khartum zu entledigen, das sich ihrer über fast 60 Jahre bemächtigt hatte.

Ungeachtet dessen, was die Menschen im Südsudan seit dem CPA ereilt hat, bedauern sie eines nicht, ihre Unabhängigkeit von Khartum. Die Menschen im Südsudan wissen einfach nicht, wie sie ihre Unabhängigkeit positiver, besser umsetzen können.

Es gibt da sicherlich Schritte, welche die internationale Gemeinschaft unternehmen kann, Schritte, die hilfreich sein können für den Südsudan, um eine transparentere und wettbewerbsfähigere Regierung in Juba, der Hauptstadt des Südsudans, zu etablieren.

Der erste Schritt für die internationale Gemeinschaft könnte sein, Bedingungen im Südsudan zu schaffen, die es den Menschen im Südsudan ermöglichen, ein transparentes und glaubwürdiges demokratisches Regierungssystem zu entwickeln, das sie einschließt.

Die internationale Gemeinschaft unterhält bereits eine sehr große Streitmacht der Vereinten Nationen im Südsudan. Dabei wird ein Denken in Kategorien eines Regierungswechsels nicht funktionieren, ein Denken in jenem Muster, dass dann z. B. dieser starken Streitmacht der Vereinten Nationen gestatten würde, das Land zu übernehmen und es selbst zu führen, quasi als neue Herrscher im Südsudan.

Das Volk, die Südsudanesen, wird keine ausländische Führung akzeptieren, nachdem es sich gerade befreit hat von einer 60jährigen Bedrohung durch Khartum. Dabei spielt es keine Rolle, wie man ein solches System etikettieren würde, hätte es auch noch so einen verheißend anmutenden Namen. Der einzig durchführbare Weg ist deshalb für die Menschen im Südsudan und die internationale Gemeinschaft, im Chaos zu verharren, das die derzeitigen Führungspersönlichkeiten im Sudan ihrem Volk beschert haben, bis sich der nächste Schritt ergibt.

Die dreißig Monate dieses eher hässlichen Friedens der zwischenstaatlichen Entwicklungsbehörde IGAD (Intergovernmental Authority on Development) sollte nun vorüber sein. Dieses neue System der IGAD impliziert denselben Irrtum wie den des CPA 2005 zuvor. 2005 übergab IGAD die Macht des südsudanesischen Volkes allein an eine bewaffnete Gruppe.

Kein Wunder, dass die IGAD 2015 so verfahren ist, denn auch das CPA aus dem Jahr 2005 war ein IGAD Prozess. Die internationale Gemeinschaft sollte nun diese gegenwärtige Interim-Periode des Friedensabkommens vom August 2015 entwickeln und die Zeit nutzen, um eine angemessene Überganszeit auszufüllen.

Die Repräsentation verschiedener politischer Kräfte im Rahmen des gegenwärtigen, sogenannten neuen IGAD-Friedensabkommens ist der Situation nicht angemessen. Diese zweite Interim-Periode wird immer noch sehr von den beiden bewaffneten Gruppen dominiert, die beide lediglich zwei verschiedene Gruppen ein und derselben SPLM darstellen.

Die gegenwärtige Interim-Periode sollte nun darauf ausgerichtet sein, sofern sie dazu beitragen kann, den Frieden aufrechtzuerhalten im Südsudan inmitten der genannten SPLM-Krieger, denen die IGAD erneut gestattet hat, die Regierung im Südsudan zu dominieren, einen nächsten Schritt zu gehen.

Was die IGAD-Manager solch eines hässlichen Friedensprozesses nun in die Hand nehmen sollten, ist sicherzustellen, dass der nächste Friedensprozess, der aus diesem hervorgeht, der Wahlprozess, der dem Ende der 30-monatigen Übergangszeit folgt, von einer Allianz der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union in einem Team moderiert wird.

Das bedeutet, dass diese wahlbegleitende Allianz aus Vereinten Nationen und Afrikanischer Union unabhängig gehalten werden muss von all jenen, die Teil der gegenwärtigen 30-Monate-Übergangsregierung im Südsudan sind.

Weder eine SPLA mit Regierungsverantwortung, noch eine SPLA in Opposition sollten etwas mit dem Wahlprozess zu tun haben nach der Beendigung der 30-monatigen Übergangsphase dieses sehr hässlichen letzten Friedensprozesses. Die einzige Ausnahme hierbei stellen die Wahlkandidaten der beiden Parteien selbst dar.

Präsident Salva Kiir Mayardits SPLM in Regierungsverantwortung und Vizepräsident Riek Machars SPLM in Opposition sind weiterhin konkurrierende Bewerber um die Macht im Südsudan. Es sollte ihnen gestattet sein, im Rahmen der nächsten Wahlen zu konkurrieren. Es sollte ihnen nicht erlaubt sein, diese erneut zu dominieren.

Wenn dem einfachen südsudanesischen Wähler ein wirklich freier und unabhängiger Raum gegeben wird, im Rahmen der Wahlen nach der gegenwärtigen Interim-Periode zu handeln, nach diesem entsetzlichen Friedensabkommen von 2015, so darf man hoffen, dass das südsudanesische Volk in seinem bestmöglichen, eigenen Interesse handeln wird.

Wenn die Menschen im Südsudan entscheiden, eine dieser beiden Konfliktparteien als nächste Regierung zu wählen, dann wird sich die internationale Gemeinschaft selbst der Verantwortung entbinden, aus der lediglich wieder neue Komplikationen entstehen würden.

Gleichzeitig bedeutet das natürlich nicht, dass die internationale Gemeinschaft keine weitere Verantwortung haben sollte für die Zivilbevölkerung des Südsudans, sollten die hier vorgeschlagenen Schritte fehlschlagen. Gerade die Zivilbevölkerung im Südsudan wird gefährdet bleiben, das ist meine persönliche große Sorge, besonders angesichts der unfairen Art und Weise, wie dieser gegenwärtige Friede zustande gekommen ist.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf Ihre Fragen.

Dr. Bona Malwal, 2017
aus dem Englischen übersetzt von Gabriele Haldenwang

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