Dr. Bona Malwal: Wann gibt es Frieden im Südsudan?

Um nur ein Beispiel hierfür zu geben: Die beiden kleinen Stämme Belgiens (Anmerkung der Übersetzerin: Flamen und Wallonen) aus diesem winzigen Land in Mitteleuropa, die selbst zu keiner Zeit als Nation in Europa vereint waren, zogen als die eine Nation Belgien hinaus nach Afrika, um eines der reichsten und mächtigsten Länder Afrikas, „Stämme“, zu kolonisieren – „Belgisch-Kongo“.

Im Südsudan, im Sudan als Ganzes, hatte der Kolonialismus sich nicht wirklich festsetzen können über diese merkwürdigen 60 Jahre, in denen Großbritannien über den Sudan herrschte. Hierfür gibt es viele Gründe: Zunächst war Großbritannien der Hauptkolonialist jenes Landes, das in dieser Zeitphase als anglo-ägyptischer Sudan bekannt ist. Ägyptens Interesse galt hierbei stets dem Nil, der für Ägypten eine Hauptlebensader darstellt. Es ist eine wohl bekannte Tatsache des Lebens, dass Ägypten ohne den Nil nicht existieren würde.

Großbritanniens eigenes Interesse in der gesamten afro-arabischen Region galt der Golfregion. So kam Großbritannien hauptsächlich als ein Vertreter Ägyptens in den Sudan, mit einem hohen Interesse, die Quellen des Nilwassers für Ägypten zu sichern.

Anmerkung der Übersetzerin – Quelle: Wikipedia: „Tribalismus (Stammestum, englisch tribalism) bezeichnet eine Sichtweise der (gesamten) Gesellschaft als eine Menge kleinerer Gemeinschaften, der Stämme. Die traditionelle Definition beinhaltet, dass sich Stämme durch eine ethnisch homogene Bevölkerung, eine einheitliche Kultur, ein gemeinsam bewohntes Land, aber vor allem durch klare Abgrenzung ihrer Identität gegenüber anderen Stämmen definieren. Aus diesen Gründen werden Stämme bei der Bildung von Nationalstaaten vielfach als hinderlich erachtet. Die Begriffe Tribalismus und Stamm sind durch die Kolonialzeit als Charakterisierung „primitiver“ Gesellschaften vorbelastet und werden heutzutage in der Ethnologie nicht mehr verwendet. (…).“

Bekanntermaßen hat der Nil zwei Arme, den Weißen Nil, der in Zentralafrika entspringt und über mehr als 1.600 Kilometer durch den Südsudan fließt, bevor er den Nordsudan erreicht, und den Blauen Nil, dessen Ursprung in Äthiopien liegt, bevor dieser sich in Khartum, der Hauptstadt des Sudans, mit dem Weißen Nil vereint. Übrigens kommt das Wort „Khartum“ aus der Sprache der Dinka. Es bezeichnet die Vereinigung zweier Flüsse, allerdings wird es in der Sprache der Dinka ohne „h“ geschrieben.

Großbritannien stieß in Teilen des Sudans, hauptsächlich im Südsudan, auf seine kolonialen Wettbewerber. Sowohl die Belgier als auch die Franzosen hatten zu dem Zeitpunkt, als Großbritannien den Sudan besetzte, bereits weite Teile Zentralafrikas unter ihre Herrschaft gebracht. Die Franzosen waren gleichermaßen an den Quellen des Nils interessiert und versuchten, tief bis nach Fashoda in den Südsudan hinein einzudringen, in das Land des ethnischen Königreiches der Shilluk.

Die Geschichte berichtet sehr ausführlich über die Konfrontation der Europäer in Teilen des Südsudans. In den europäischen Geschichtsbüchern finden sich diese Ereignisse unter dem Kapitel der „Fashoda-Krise“ wieder.

Die Briten schlugen die Franzosen erfolgreich zurück nach Zentralafrika und verweigerten ihnen die Kontrolle über alle Abschnitte des Nils. So blieb der Nil unter der kolonialen Kontrolle der Briten, in eigener Sache und für die ägyptische Krone. Aus diesem Grund kennt man den kolonisierten Sudan dieser historischen Phase als anglo-ägyptischen Sudan.

Die Briten befriedeten den Nordsudan sehr schnell, scheiterten aber über lange Zeit daran, die widerspenstigen nilothischen „Stämme“ des Südsudans – die Dinka und die Nuer – zu beschwichtigen. Hierzu bedurfte es einer sehr starken Hand.

Sogar bis zu der Zeit, als die britische Kolonialmacht, die über den Sudan herrschte, bereits auf den Druck der politischen Elite des Nordsudans zu reagieren begann, die für eine politische Mitbestimmung in den Angelegenheiten ihres eigenen Landes kämpfte, rangen die Briten immer noch mit einer unsicheren Lage in den nilothischen Gebieten des Südsudans. Während sie der nordsudanesischen Elite nachgaben und ihr politisches Terrain einräumten, kam es im Südsudan für britische Kolonialbeamte immer wieder zu unsicheren Situationen.

Im Juni 1947 wurde auf der Konferenz von Juba die Entscheidung der britischen Kolonialmacht über den Sudan angekündigt, dass der Südsudan dem Nordsudan angeschlossen und als ein Land mit dem Nordsudan von Khartum aus verwaltet werden solle. Zuvor hatten die Briten den Südsudan als einen vom Norden abgeschlossenen Bezirk verwaltet. All dies trug sich zu, als die Briten zu Hause in England die Sklaverei abgeschafft hatten.

Nordsudanesische Sklavenhändler fuhren mit ihren Raubzügen nach Sklaven im Südsudan fort. So hatten die Briten die Bewegungsfreiheit der Nordsudanesen in den Süden einzuschränken, so dass keine südsudanesischen Sklaven mehr über die damals wilde und unwirtliche Grenze zwischen den beiden Landesteilen geschmuggelt werden konnten.

1947, vor der Konferenz von Juba, welche die Annexion des Südsudans durch den Nordsudan markierte, um ein Land zu bilden, hatten die Briten in Erwägung gezogen, den Südsudan einem ihrer ostafrikanischen Gebiete anzuschließen, Kenia oder Uganda.