Dr. Bona Malwal: Wann gibt es Frieden im Südsudan?

Im Friedensabkommen von 1972 wurde die Macht geteilt zwischen jenen, welche die Waffen getragen und den Krieg ausgefochten hatten und jenen, die auf andere Weise zur Sache beigetragen hatten. Die Macht wurde untereinander geteilt und das Resultat war, dass alle einen Anreiz hatten, den Friedensprozess im Süden am Laufen zu halten. Jene, die den Krieg ausgefochten hatten, wollten sich damit belohnen, Ämter in der Regierung einzunehmen.

Jene, die sich innerhalb ihrer eigenen bürgerlichen Populationen im Land befanden, wollten ihre Positionen in der Regierung dazu nutzen, um Dienstleistungen zu erweitern und Entwicklung für die einfachen Menschen auf den Weg zu bringen. Im Rückblick ist nun klar, dass das Friedensabkommen von 1972 damals diese zehn Jahre überdauern konnte, weil alle Beteiligten ein gemeinsames Interesse daran hatten.

Hätte Präsident Jaafar Mohamed Nimerei seiner Machtbesessenheit nicht nachgegeben und damals dem Südsudan eingeräumt, weiterhin seine Autonomie unter seiner Präsidentschaft zu leben, wäre das Land 1983 nicht in den Kriegszustand zurückgefallen. Sehr wahrscheinlich hätte der Südsudan sich nicht vom Norden getrennt, wie es 2011 notwendig wurde angesichts des langen politischen Fehlverhaltens des Nordens.

Wir stehen allerdings nun da, wo wir sind. Inzwischen ist der Südsudan ein unabhängiges Land, nun im Krieg mit sich selbst. Die internationale Gemeinschaft benötigt keinen Friedensvorschlag, wie er kürzlich im August 2015 von Äthopien aufgezwungen wurde. Dieser hat nun dazu geführt, zwei einander feindlich gesinnte Parteien vor der Folie der Bürgerkriegsereignisse um den Dezember 2013 wieder als Partner im Frieden von Juba zusammenzuführen.

Erneut führt die Weltöffentlichkeit Fehler aus dem Friedenskommen von 2005 fort. Es sind wieder allein die Waffen, die in all diesen Friedensvereinbarungen zählen, denn die beiden Partner des Friedensabkommens von 2015 sind keine Partner im Zeichen des Friedens. Sie befinden sich im Krieg miteinander.

Wen verwundert es, dass Riek Machar Teny, der gegenwärtige erste Vizepräsident von Präsident Salva Kiir Mayardit, darauf bestehen musste, dass eine bestimmte Anzahl an Männern aus seiner eigenen Armee vor ihm in Juba anreiste, bevor er selbst nach Juba kam, um mit der Umsetzung des auferlegten Friedensabkommens zwischen ihm und Präsident Salva Kiir zu beginnen.

Mit diesem letzten Friedensabkommen für den Südsudan hat die Welt sichergestellt, dass es niemanden im Südsudan geben wird, der legitimiert arbeiten kann. Persönlich wäre ich nicht überrascht, morgen zu hören, dass die Armeen der beiden Herren, des Präsidenten und seines ersten Vizepräsidenten, sich wieder beschießen in Juba.

Der Friede, den der Südsudan braucht, ist ein Friede, der in absehbarer Zukunft bürgerliche und nicht militärische Elemente einführt in die Regelung der Staatsangelegenheiten. Ich kann nicht verstehen, dass die Weltöffentlichkeit nicht sehen kann, wie wichtig die Inspiration des südsudanesischen Volkes hin zu einer Zivilherrschaft ist, sondern eher einen Militarismus in einem Land ermuntert, das so schlimm ruiniert worden ist durch militaristische Strukturen.

Ein Motto stellt das Militär immer wieder gerne allem voran: „Ehre kann man nicht teilen. Ehre kann nur einer Person zu Teil werden, und zwar der mächtigsten Persönlichkeit“. Wie kann man eine mächtige Persönlichkeit in Juba haben, die den Südsudan regiert, während das aktuelle Friedensabkommen zwei gleichwertige Armeen sanktioniert hat, jeweils eine in der Hand zweier mächtiger Militärs, die einander nicht akzeptieren. Wie können diese beiden südsudanesischen Führungspersönlichkeiten, nun gemeinsam zurück in der Regierung, diese politische Macht teilen?

Die Weltöffentlichkeit mag davon ausgehen, dies sei der beste Weg, um beide Parteien zu
neutralisieren. Die Erfahrung im Südsudan zeigt, dass es durch die Verfahrensweise, wie
dieser jüngste Frieden ausgearbeitet und aufgezwungen wurde, in Juba eher zu einer weiteren Auseinandersetzung mit Waffen kommen wird. Eine gleichwertige Bewaffnung beider Parteien kann nicht friedenserhaltend für die Menschen im Südsudan sein.

Was Sie, sehr verehrte Gastgeber und Teilnehmende an dieser Veranstaltung, anbelangt, so bin ich davon überzeugt, dass Ihre Sorge stets der Zivilbevölkerung im Südsudan galt und gilt. Während unseres Treffens werden die Menschen im Südsudan, abgesehen von ihrer Sorge um einen sich nicht einstellenden Frieden, gegenwärtig von einer sehr schweren Nahrungsmittelknappheit heimgesucht – tatsächlich von einer Hungersnot.

Ich weiß, dass humanitäre Organisationen in Deutschland sehr wahrscheinlich bereits aktiv sind unter diesem Aspekt im Südsudan und versuchen, das Beste zu geben, um zu helfen. Das südsudanesische Volk braucht Ihre Hilfe in der aktuellen Situation auch sehr dringend.